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Vortrag anlässlich des Jahrestreffens des Scientific and Medical Network in Goslar, 29. 6. - 1. 7. 2007
Viel oder wenig Zeit haben, ist eigentlich ein Unding. Denn spirituell betrachtet, d. h. unter dem Aspekt der Transzendenz, gibt es Zeit ohne Ende. Wenn wir in unserer Eigenschaft als transzendentale geistige Wesen überhaupt etwas haben, dann endlos viel Zeit. Diese Form von "endloser" Zeit nennt man Ewigkeit. Ewigkeit hat keinen Anfang und kein Ende, sondern ist das fortwährende Jetzt. Um von der transzendentalen Ewigkeit herunterzukommen, um Zeit in "Portionen" zu erleben, benötigen wir Veränderung. Wir benötigen die Bewegung von Teilchen, ob grobstofflich (Bewegung von Sonne oder Mond), elektronisch (Lichtbilder im Kino oder auf dem Computer) oder feinstofflich (geistige Bilder). Nur wenn wir einen Aktionsablauf beobachten, erleben wir Zeit. Wenn alles stillsteht, erleben wir sie nicht. Der Tisch vor mir ist langweilig, da "zeitlos", denn er bewegt sich nicht. Würde ich die Elektronen herumwirbeln sehen, wäre er spannend. Zeit (psychologisch gesprochen) entsteht durch die Beobachtung der Bewegung von Partikeln im Raum. Voraussetzung für Zeitwahrnehmung: Ohne Erinnerungsvermögen wüssten wir nicht, ob sich Teilchen tatsächlich bewegt haben. Ohne Zukunftserwartung gäbe es nicht die Vorwegnahme eines abgeschlossenen Aktionsablaufs. Ohne Erinnerungsvermögen und Zukunftserwartung hätten wir auch keine Emotionen. Denn Emotionen entstehen durch ein Streben nach Erfüllung. Die Zeit vergeht schnell (psychologisch gesprochen), wenn sich Aktionsabläufe im Hinblick auf ein gestecktes Ziel wunsch- und plangemäß abwickeln lassen. Emotion: Hochstimmung. Kommt es zu Hindernissen, so verlangsamt sich die Abwicklung, und die Zeit vergeht quälend langsam. Emotion: unterschiedlich tiefe Frustrationsstufen. Die subjektive Messung der Zeit erfolgt somit durch die Erinnerung an Aktionsabläufe oder die Vorwegnahme von Aktionsabläufen ("seit meiner Hochzeit", "nach dem Examen"). Die objektive Messung der Zeit erfolgt durch Übereinkünfte hinsichtlich sich rhythmisch wiederholender Aktionsabläufe , d. h. von Partikelbewegungen (Sonnenaufgang und -untergang, Pulsieren von Quarzatomen, usw.) Objektive Zeit ("Uhrzeit") und subjektive Zeit können gewaltig auseinander klaffen, z. B. im Traum oder im Kino ("Traumzeit", "Phantasiezeit"). Ebenso bei der Bewertung von vergangenen oder zukünftigen Ereignissen i. S. v. "ist schon lang her / noch nicht so lang her" oder "dauert noch lang / wird bald soweit sein". Zu viele und zu schnelle Aktionsabläufe oder zu wenige und zu langsame können zum Gefühl der Überwältigung führen (erlebt als Traumatisierung). In beiden Fällen tritt das Erwartete nicht oder nicht schnell genug ein. Wie empfindlich ein Wesen darauf reagiert, hängt von seiner Gelassenheit ab (Akzeptanzvermögen). Totales "im Jetzt sein" bedeutet: fortwährendes Gegenwartserleben. Eingetretensein in die Ewigkeit. Es vergeht keine Zeit. Denn Zeit setzt die Erinnerung an ein Vorhin voraus und die Erwartung eines Danach. Das ist das Zeiterleben der Tiere und Pflanzen wie auch das mystische Zeiterleben (siehe "Nirvikalpa-Samadhi", von Sanskrit "samadhi", ein Erkenntniszustand und "nirvikalpa", ohne Wandel), aber auch das psychotische Zeiterleben. Letzteres beruht auf der totalen Fixation auf Vorstellungs- oder Erinnerungsbilder des subjektiven Universums (z. B. bei Schockzuständen nach Unfällen oder Verlusten). Das innere Bild steht unwandelbar vor dem geistigen Auge, es hat stärkere Realität als die äußere Umgebung, die äußere Umgebung wird nur reduziert oder gar nicht wahrgenommen. Fortwährende Gegenwart. Fazit: Psychologisch gesprochen, fließt Zeit weder selbstständig dahin, noch tut sie es gleichmäßig. Vielmehr bedeutet Zeit das Erlebnis von Veränderung, und diese ist relativ zum untersuchten psychischen System (Trägheitssystem oder "Inertialsystem", um mit Einstein zu reden). Da in unterschiedlichen Inertialsystemen unterschiedliche Partikelbewegungen (Aktionsabläufe) zu beobachten sind, entstehen damit gleichzeitig unterschiedliche Raumdimensionen, Energien und Zeitverläufe. Zeit ist relativ, psychisch wie auch physikalisch.
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