Quellen von MindWalking
Vorgeschichte
Die Bezeichnung „MindWalking“ entstand1996 in Australien, um eine Seminarreihe zu benennen, die der Urheber, Ulrich Kramer, dort halten sollte. Bis zu diesem Zeitpunkt hieß seine private Praxis als Dipl.-Psychologe einfach „Persönliche Analysen und Coaching“, doch erwies sich dies für Werbezwecke in Australien als zu umständlich.
Die Bezeichnung „mind walker“ als Handelsname für das bei MindWalking-Sitzungen verwendete Potentiometer wurde dem englischen Hersteller des Geräts von Ulrich Kramer vorgeschlagen, als jener gerade ein neues Gerät in Serie auflegte und dafür einen besonderen Namen suchte. Dessen ungeachtet wird der mind walker an jedermann verkauft, nicht nur an MindWalking-Trainer.
Kurzbeschreibung
MindWalking versteht sich als ein ganzheitliches, lösungsorientiertes Fähigkeitstraining, einerseits im Hinblick auf zwischenmenschliche Kommunikation in Familie und Beruf („Außenwelt“), andererseits das bewusste Erfassen und Entschärfen mentaler Phänomene („Innenwelt“), die der Klient als bedrohlich erlebt. MindWalking wird nicht von Psychotherapeuten ausgeübt, sondern von eigens dazu ausgebildeten Trainern, die jeden beliebigen beruflichen Hintergrund haben dürfen. Es geht nicht um Therapie (Fokus aufs Symptom), sondern um Persönlichkeitsentwicklung (Fokus auf das verursachende geistige Wesen selbst).
Bei MindWalking handelt es sich um eine „Psychologie“ im buchstäblichen Sinn, d. h. um eine Wissenschaft von Geist und Seele. Ähnlich wie im naturwissenschaftlichen Bereich üblich, bewegt sie sich auf empirischer Grundlage. Das bedeutet, dass Schlussfolgerungen nur gezogen und Theorien nur gebildet werden dürfen, falls dafür ausreichend Beobachtungen vorliegen. Diese müssen unter kontrollierten Bedingungen gemacht worden sein. Tatsächlich wurde auf diese Weise eine Reihe von Wirkungszusammenhängen entdeckt und in Form von Lehrsätzen niedergeschrieben (siehe „MindWalking – Unbelastet in die Zukunft, letztes Kapitel).
Grundsätzliches zur Methodik
Die Methoden von MindWalking (MW) beruhen hauptsächlich auf Verhaltenstherapie (VT), Gesprächstherapie nach Carl Rogers (GT), Gestaltpsychologie (GP), auf bestimmten Erkenntnissen der Psychoanalyse (PA) und des Zen-Buddhismus (ZB), wie auf deren Weiterentwicklung und situationsentsprechender Verwertung. Im Einzelnen werden die Verfahren und ihre Quellen hier aufgelistet. Das Kürzel in Klammern besagt, woher die Methode oder Theorie jeweils stammt:
- Alles Verhalten gilt als erlernt, nicht als ererbt (VT).
- Unbewältigte Ereignisse aus der Vergangenheit bleiben haften (Zeigarnik-Effekt, GP). Und nur an diesen leidet der Mensch – nicht an den bewältigten.
- Die gravierendste Form des Lernens ist das traumatische Lernen (PA, VT).
- Die „Urszene“ Freuds (PA) findet ihre Entsprechung im „Urerlebnis“ von MW.
- Durch geduldiges Zuhören stößt der Klient von sich aus zu zentralen Punkten vor (GT). Diese zeigen sich in Form emotional geladener Reizworte oder –sätze (kurz „Reize“).
- Zu behandelnde Reize werden mit dem Klienten im gemeinsamen Gespräch gefunden (GT) und zum Zweck der späteren Verwendung wörtlich zitiert (MW).
- Um eine bewusste Auseinandersetzung zu ermöglichen, werden Reize in einem für den Klienten erträglichen Maß dosiert (VT).
- Reize werden unverändert wiederholt (kalkulierte Stimulation). Damit sinkt die Reizschwelle. Am Ende greift der Reiz nicht mehr. Destimulation ist eingetreten (VT).
- Der Mensch agiert kognitiv wie auch emotional inadäquat nicht wegen seiner gegenwärtigen Umgebung, nicht wegen der Anforderungen der gegebenen Situation, sondern wegen der Assoziationen, die er mit unbewältigten, emotional belasteten Situationen der Vergangenheit aufbaut (PA).
- Die Assoziationen erscheinen in Form geistiger Bilder, d. h. als Vorstellungen und Erinnerungen, und werden durch Bewusstmachen bewältigt (PA, katathymes Bilderleben, ZB).
- Ein voll bewusster Mensch sieht die Umgebung wie sie ist, ohne darüber gelegte Assoziationsbilder (ZB).
- Es gibt bei MW keine Doktrinen, keine Dogmen, keine Interpretationen oder Deutungen, sondern nur das unbeeinflusste authentische Erleben (ZB).
- Der Mensch strebt nach harmonischer Ganzheit, er will seinem Leben eine „gute Gestalt“ geben (Kurt Lewin, GP). Auf dieser Tendenz beruht die Motivationskraft des Klienten, die ihn nach Besserem streben lässt.
- Der Umgang mit den Widerständen des Klienten beim Aufdecken verdrängten Materials erfolgt bei MW auf gewaltfreie, nicht-direktive und synergetische Weise. Vorbild ist hier sowohl die GT wie auch das Aikido nach Uyeshiba.
Einzelne MW-Methoden
- Freier Rückruf, Kettenrückruf und Wiederholungstechnik entsprechen der oben angedeuteten assoziativen Methode.
- Die Erzählmethode (EZM) beruht auf einer Erkenntnis der forensischen Psychologie, die speziell bei Vernehmungen zur Anwendung kommt, nämlich: die Darstellung eines Zeugen wird sich bei gezieltem Befragen so lange wandeln, bis er schließlich zur korrekten Darstellung durchgedrungen ist. Bleibt jemand stur bei seiner ersten Version, so weiß man, er hat etwas auswendig gelernt oder macht sich oder anderen etwas vor.
- Die Kommunikations- und Konzentrationsübungen von MW haben ihr Vorbild in den Enlightenment-Intensives von Charles Berner (siehe Wikipedia). Dort werden bestimmte Übungen über Stunden hinweg unverändert wiederholt, um nicht-intellektuelle Erkenntnisprozesse in Gang zu setzen und geistige Gelassenheit zu erwirken. Parallelen hierzu finden sich im ZB wie auch in der zeitgenössischen Druidenausbildung.
- Die Entspannungsübung ist ebenfalls ein Kommunikationstraining und beruht auf den Akupunkturmeridianen, insbesondere auf Anwendungen aus dem Shiatsu, und findet sich in der bei MW praktizierten Form bei Serge Kahili King in seinem Buch "Der Stadtschamane."
- Der mind walker ist ein Messgerät für den galvanischen Hautwiderstand (GSR meter, von galvanic skin response). Es besteht eine beobachtbare proportionale Korrelation zwischen emotionaler und kognitiver Anspannung einerseits und galvanischem Hautwiderstand andererseits. Über die (sehr simple) Bedienung des Geräts gibt der Hersteller in einem Beilagezettel knapp Auskunft. - Historisches: Ein GSR wurde bereits 1907 von C.G. Jung zum Überprüfen von Assoziationsketten verwendet. In den 60er Jahren benutzte es Baxter zur Untersuchung der Reaktion von Pflanzen auf Umgebungsveränderungen. Seit Ende der siebziger Jahre ist die Verwendung von Bio und Alphawellen-Feedbackgeräten allgemein üblich geworden. - Siehe "The Secret Life of Plants" von Peter Tompkins und Christopher Bird (auch auf deutsch). Siehe auf der MW-Homepage a) eine Studie zur Verwendung des GSR bei Beratungsgesprächen, b) "MindWalking aus der Sicht der Psychologie".
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