Quellen von MindWalking
Entstehungsgeschichte
Die Bezeichnung "MindWalking" entstand1996 in Australien, um eine Seminarreihe zu benennen, die der Urheber, Rolf-Ulrich Kramer, dort zu halten eingeladen war. Bis zu diesem Zeitpunkt hieß seine private Praxis als Dipl.-Psychologe einfach "Persönliche Analysen und Coaching", doch erwies sich diese Bezeichnung für Werbezwecke in Australien als zu umständlich.
Nach der australischen Seminarreise wurde die Bezeichnung MindWalking beibehalten, weil sie dem internationalen Publikum gut verständlich war. Ein deutscher Geschäftsmann gab freundlicherweise den Hinweis, den Begriff gesetzlich schützen zu lassen, bevor es ein anderer täte und die MindWalking-Aktivitäten damit unterbinden könnte. Aus diesem Grund wurde MindWalking als Marke angemeldet, erst für Deutschland und Australien, schließlich für ganz Europa.
Verwendung des "mind walker"-Messgeräts
Für die Präzision und Verlässlichkeit von MindWalking-Sitzungen ist die Verwendung eines galvanischen Hautwiderstandsmessers oder auch "Potentiometers" von zentraler Bedeutung (englisch "galvanic skin response meter", kurz GSR). Das bei MindWalking-Sitzungen verwendete Gerät trägt die Bezeichnung "mind walker", auch dies ein Markenzeichen. Markeninhaber ist jedoch nicht Rolf-Ulrich Kramer, sondern der englische Hersteller des Geräts. Die Namensähnlichkeit entstand auf Grund einer Anregung von Kramer, als der Hersteller gerade ein neues Gerät in Serie auflegte und dafür einen besonderen Namen suchte. Ungeachtet seines Namens wird der mind walker an jedermann verkauft, nicht lediglich an MindWalking-Trainer.
Funktionsweise: Obwohl jede Menge Literatur zur Physiologie der galvanischen Reaktion und deren Messung vorliegt, wurde der Zusammenhang mit den dabei zu beobachtenden subjektiven Erlebnissen anscheinend nie erforscht. Dessen ungeachtet lässt sich in der Praxis unter Beachtung der gegebenen physiologischen Parameter so ziemlich alles "Psychische" erfassen, das den Befragenden interessiert bzw. den Befragten bewegt.
Historisch betrachtet wurde ein GSR bereits 1907 von C.G. Jung zum Überprüfen von Assoziationsketten verwendet. In den 60er Jahren benutzte es Baxter zur Untersuchung der Reaktion von Pflanzen auf Umgebungsveränderungen. Seit Ende der siebziger Jahre ist die Verwendung von GSRs zum Biofeedback und Alphawellen-Training (Selbstberuhigung) allgemein üblich geworden. Man gebe einfach einmal "GSR" als Stichwort bei Google ein, das Ergebnis ist verblüffend. In Verruf geriet die GSR-Technik, als man sie als Mentaldetektoren einzusetzen begann, sei es mit den Lügendetektoren" des FBI in USA oder dem "E-Meter" der Scientologen.
Vom MindWalking-Standpunkt her lässt sich Folgendes sagen: Es besteht eine positive Korrelation zwischen emotionaler und kognitiver Anspannung einerseits und galvanischem Hautwiderstand andererseits. Das Ansteuern existentiell bedeutsamer Fragen führt zum Spannungsaufbau, die Erkenntnis einer persönlichen Wahrheit zum Spannungsabbau. Je engagierter sich der Sitzungspartner beteiligt, desto höher die Dynamik. Beides ist sowohl subjektiv erlebbar wie auch elektrodynamisch am GSR nachvollziehbar. (Zur Arbeit mit Pflanzen siehe "The Secret Life of Plants" von Peter Tompkins und Christopher Bird, auch auf deutsch erhältlich. Weiterhin sei verwiesen auf die MW-Homepage, dort findet sich eine Studie zur Verwendung des GSR bei Beratungsgesprächen (auf englisch), wie auch der Artikel "MindWalking aus der Sicht der Psychologie".)
Zielsetzung und Ausübung von MindWalking
MindWalking versteht sich als ganzheitliches, lösungsorientiertes Fähigkeitstraining. Es wendet sich an Menschen, die eine Unfähigkeit verspüren und diese beheben wollen. Diese Optimierung lässt sich über zwei "Fronten" angehen. Zum einen lässt sich am Bezug zur "Außenwelt" arbeiten, indem man durch entsprechendes Coaching die zwischenmenschliche Kommunikation in Familie und Beruf stärkt und Zielorientiertheit, Wertebewusstsein und Lebensorganisation steigert. Weiterhin lässt sich am Bezug zur "Innenwelt" ansetzen. Man würde die Wachheit für solche mentalen Phänomene schärfen, die der Klient als bedrohlich erlebt, insbesondere die Erinnerung an vergangene Traumata. In beiden Fällen geht es um Persönlichkeitsentwicklung und Bewusstseinsbildung.
MindWalking wird von eigens dazu ausgebildeten Trainern ausgeübt, die jeden beliebigen beruflichen Hintergrund haben dürfen. Sie müssen als Voraussetzung keine Heilpraktiker oder Psychotherapeuten sein. Es geht nicht um Therapie im gebräuchlichen Sinn des Wortes (der Fokus liegt auf dem Symptom, der Therapeut hilft und heilt), sondern um Persönlichkeitsentwicklung (der Fokus liegt auf der verursachenden Person selbst, diese hilft sich selbst, indem sie relevante Zusammenhänge erkennt).
Bei MindWalking handelt es sich um eine "Psychologie" im buchstäblichen Wortsinn, d. h. um eine Wissenschaft von Geist und Seele. Ähnlich wie im naturwissenschaftlichen Bereich gefordert, bewegt auch sie sich auf empirischer Grundlage. Das bedeutet, dass Schlussfolgerungen nur gezogen und Theorien nur gebildet werden dürfen, falls dafür ausreichend Beobachtungen vorliegen. Diese müssen unter kontrollierten Bedingungen gemacht worden sein. Tatsächlich wurde auf diese Weise eine Reihe von Wirkungszusammenhängen entdeckt und in Form von Lehrsätzen niedergeschrieben (siehe das Buch "MindWalking - Unbelastet in die Zukunft", letztes Kapitel).
Philosophie und Methodik
Poetisch ausgedrückt, sind in MindWalking viele methodische und philosophische Strömungen zusammengeflossen und haben ihre Wasser im Lauf der Jahrzehnte miteinander vermischt. Deswegen ist heute nicht mehr ohne weiteres zu unterscheiden, auf welche Quelle eine bestimmte Verfahrensweise zurückgeht. Versuchen wir es aber trotzdem.
Eine wichtige Strömung ist die Konditionierungslehre, die ursprüngliche Grundlage der Verhaltenstherapie. Eine andere die Gesprächstherapie nach Carl Rogers (weiter unten wird das im Einzelnen erklärt). Weiterhin bedeutend ist das Persönlichkeitsmodell der Psychoanalyse, aus der die moderne Tiefenpsychologie hervorgegangen ist. Philosophische Elemente des Hinduismus und Buddhismus fließen ein, und nicht nur philosophische, sondern auch praktische, insbesondere Ableitungen aus der Meditationspraxis des Zen-Buddhismus. Auch die Weltanschauung der Gestaltpsychologie (wohlgemerkt nicht die der Gestalttherapie) bildet einen Zufluss zum Hauptstrom.
Betrachten wir die Sache nun genauer:
- "Alles Verhalten gilt als erlernt, nicht als ererbt." Dies ist ein Grundsatz der Verhaltenstherapie. Zwar wird er neuerdings durch die Erkenntnisse der Genforschung relativiert, doch bislang nicht in solchem Maß, dass der genannte Grundsatz hinfällig wäre.
- "Unbewältigte Ereignisse aus der Vergangenheit bleiben haften." Nur an diesen leidet der Mensch, nicht an den bewältigten. Das ist der von der Gestaltpsychologie untersuchte "Zeigarnik-Effekt".
- "Die prägendste Form des Lernens ist das traumatische Lernen, das Lernen durch Gewalteinwirkung." Das würden sowohl Tiefenpsychologie wie auch Verhaltenstherapie bestätigen.
- "Unerwünschte geistige Zustände gehen auf traumatische Urerlebnisse zurück." Nach Sigmund Freud sind psychische Störungen auf eine "Urszene" zurückzuführen. Diese, obzwar in bedeutend erweitertem Sinn verstanden, findet ihre Entsprechung im "Urerlebnis" von MW.
- "Nur durch geduldiges, nicht wertendes Zuhören seitens des Therapeuten stößt der Klient von sich aus zu den für seine Problematik Ausschlag gebenden Zusammenhängen vor." Eine Weisheit aus der Gesprächstherapie.
- "Hinweise auf Urerlebnisse zeigen sich im Gespräch in Form emotional belasteter und spontan geäußerter Reizworte und -sätze." Solche Sätzen werden bei MW "Negativprogramme" genannt. Dieser Gedanke scheint ein MindWalking-Eigengewächs zu sein.
- "Negativprogramme werden bei ihrer Verwendung als Sitzungsthema wörtlich zitiert." Dies kommt aus der Konditionierungslehre. Reize müssen unverändert wiederholt werden (kalkulierte Stimulation), damit die Reizschwelle sinken kann. Am Ende greift der Reiz schließlich nicht mehr. Destimulation ist eingetreten. (Zur Anwendung kommt dies in den MindWalking-Techniken namens Freier Rückruf, Kettenrückruf und Wiederholungstechnik.)
- "Der Mensch agiert kognitiv wie auch emotional inadäquat nicht wegen seiner gegenwärtigen Umgebung, nicht wegen der Anforderungen der gegebenen Situation, sondern wegen der Assoziationen, die er mit unbewältigten, emotional belasteten Situationen der Vergangenheit aufbaut." Dieser Satz könnte von Freud, Jung oder Adler stammen, aus der Psychoanalyse also. Genauso aber könnte er aus dem Zen-Buddhismus stammen. Die Hindus würden es "Maya" nennen: der Schleier von Projektionen, den die Psyche über die Welt wirft.
- "Störende Assoziationen erscheinen in Form geistiger Bilder, d. h. als Vorstellungen und Erinnerungen. Sie werden dadurch bewältigt, dass man sie sich bewusst macht, bis man sie schließlich angstfrei anschauen kann." Auch hier lassen sowohl Psychoanalyse wie auch Zen-Buddhismus grüßen. Ein weiteres Vorbild sind die Enlightenment-Intensives des Psychologen Charles Berner (siehe Wikipedia). Dort werden bestimmte Übungen über Stunden hinweg unverändert wiederholt, um meta-intellektuelle Erkenntnisprozesse in Gang zu setzen. Die Kommunikations- und Konzentrationsübungen von MW sind davon inspiriert.
- "Die Darstellung eines Sitzungspartners wird sich bei wiederholtem Erzählen eines Ablaufs so lange wandeln, bis er schließlich zur korrekten Darstellung durchdringt." Dieser für MindWalking-Sitzungen so bedeutende Grundsatz beruht auf einer Erkenntnis der forensischen Psychologie. Speziell bei Vernehmungen kommt sie zur Anwendung. Dort würde der Satz lauten: Die Darstellung eines Zeugen oder Angeklagten wird sich bei eindringlichem Befragen so lange wandeln, bis er die Zusammenhänge schließlich korrekt preisgibt. Bleibt jemand stur bei seiner ersten Version, so weiß man, er hat etwas auswendig gelernt und macht sich selbst oder anderen etwas vor.
- "Ein voll bewusster Mensch sieht die Umgebung wie sie ist, ohne jegliche darüber gelegte Assoziationsbilder." Diese wache Achtsamkeit, dieses "Erwachen" ist Kennzeichen erfolgreicher Meditationspraxis in Hinduismus und Buddhismus.
- "Jeder hat die Aufgabe, seine eigene Wahrheit zu finden und zu erleben." Es gibt bei MW keine Interpretationen oder Deutungen, sondern nur das unbeeinflusste, authentische Erleben des Sitzungspartners. Er sieht, was er sieht, und erkennt, was er erkennt, und fertig. Der Sitzungsleiter weiß nichts besser, er hat keine "Deutungshoheit". Im Gegensatz zu anderen Praktiken wird das Erlebnis eines Klienten nicht "auf die Lehre zugeschnitten", sondern im Gegenteil: jedes Erlebnis eines Sitzungspartners könnte genügen, um MW als Lehre zu erschüttern, so es neuartig und abweichend ist oder sich in Bestehendes nicht einordnen lässt. Diese Haltung entstammt zum einen aus der gängigen wissenschaftlichen Methodik, zum andern aus dem Zen-Buddhismus, der in seiner strengsten Form ohne jegliche Lehrbücher auskam, weil er nur das direkte, nicht durch vorheriges Lernen suggerierte Erleben zuließ.
- "Der Mensch strebt nach harmonischer Ganzheit, er will seinem Leben eine gute Gestalt geben." Diesen Gedanke hatte Kurt Lewin, ein Gestaltpsychologe, und bei MindWalking würde man ihn voll unterschreiben. Denn hierauf beruht die Kraft des Klienten nach Besserem zu streben.
- "Der Umgang mit den Widerständen des Klienten beim Aufdecken verdrängten Materials darf nur gewaltfrei, nicht-direktiv und synergetisch erfolgen." Vorbild ist hier sowohl die Gesprächstherapie wie auch die in der japanischen Kampfkunst Aikido gepflegte Weltanschauung.
- "Der Mensch besteht aus den Komponenten Körper, Seele, Geist und Selbst." Das ist so alt wie die Menschheit, und auch MindWalking ist zu diesem Schluss gekommen. Denn Menschen erleben sich einfach so.
- "Eine philosophische, psychologische oder theoretische Aussage hat nur dann Sinn, wenn sie sich in Form anschaulicher, plausibler, erlebnismäßig nachvollziehbarer Operationen und Aktionen darstellen lässt." Darauf wird bei MW größter Wert gelegt. Heiße Luft ist nicht gestattet. Jedes Fachwort, jeder theoretische Lehrsatz muss durch die Tat überprüfbar sein. Die sachgemäße Demonstration von Zusammenhängen ist oberstes Gebot. Ihren Ursprung haben solche Forderungen in der allgemein üblichen Wissenschaftsmethodik und den Gesetzen der Logik. Am prägnantesten ausgedrückt hat dies Prof. Anatol Rapoport in seinem Buch "Operational Philosophy - Integrating Knowledge and Action", deutscher Titel: "Philosophie heute und morgen" (1953).
|